HT – Mit meinen Bedingungen für das Interview war der Redakteur der Böblinger Kreiszeitung “fast” einverstanden: Ich bestand darauf, dass seine fünf Fragen und meine Antworten im Zusammenhang und ungekürzt veröffentlicht werden. Was dann schließlich am Samstag in der Böblinger Kreiszeitung erscheinen wird, werden wir sehen. Aber hier schon mal die Fragen und die Antworten zum Vergleich – ungekürzt!
Böblinger Kreiszeitung: Können Sie die Veranstaltung abhalten und die Vorgaben der Stadt Herrenberg erfüllen?
Hans U. P. Tolzin: Ja, wir haben uns verständigt und die Veranstaltung wird wie geplant stattfinden.
Böblinger Kreiszeitung: Wie bewerten Sie, dass – ob bei Corona-, Masern- oder sonstigen Impfungen der absolute Großteil der medizinischen Wissenschaftscommunity eine ganz andere Meinung vertritt, nämlich die, dass Impfungen zum größten Teil den Ausbruch von Krankheiten verhindern oder zumindest ihren Verlauf deutlich abschwächen?
Hans U. P. Tolzin: Ich nehme durchaus zur Kenntnis, dass die große Mehrheit der medizinischen Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden Impfungen grundsätzlich positiv bewertet. Für mich entscheidet sich eine wissenschaftliche Frage allerdings nicht durch Mehrheitsverhältnisse, sondern durch die Qualität und Aussagekraft der zugrunde liegenden Daten. Nehmen wir die Masern als Beispiel: Als die erste Masernimpfung 1963 in Deutschland eingeführt wurde, war die Masernsterberate im Vergleich zu 1900 bereits um sage und schreibe 99 % gefallen, und das bei einer vermutlich durchgehenden Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Erreger. Die verantwortlichen Faktoren für diesen mysteriösen Rückgang wurden meines Wissens nie systematisch untersucht. Was die Masernimpfung angeht, so verstehe ich bis heute nicht, warum man niemals den Gesundheitszustand geimpfter und mit einem Placebo behandelter Kinder miteinander verglichen hat, statt auf unzuverlässige Ersatzmessgrößen zu setzen, deren Aussagekraft nicht ganz unumstritten ist. Warum die von Ihnen erwähnten „Mehrheitsexperten“ solche aus meiner Sicht wesentlichen Fakten nicht stärker berücksichtigen, müssen Sie sie selbst fragen.
Böblinger Kreiszeitung: Weshalb halten Sie die Masernimpfung für Kinder für gefährlich?
Hans U. P. Tolzin: Die möglichen Risiken sind für jedermann in den Fachinformationen und Beipackzetteln einsehbar. Auch wenn immer nur eine Minderheit von schweren Nebenwirkungen oder Impfschäden betroffen sein mag, so sind die Betroffenen nicht einfach nur eine Zahl in einer Statistik, sondern jeweils zu 100 % selbst betroffen. Wir gehen bis heute – trotz des Grundgesetzes – von einer Aufopferungspflicht des Einzelnen für das angebliche Gemeinwohl aus und ignorieren dabei die erbrachten Opfer. Für mich stellt sich deshalb die Frage, inwieweit hier rechtliche und ethische Denkmuster fortwirken, die bereits in der Zeit des Nationalsozialismus eine problematische Rolle spielten. Wie hoch die Dunkelziffer bei den schweren Nebenwirkungen ist, weiß nach eigenen Angaben nicht einmal die zuständige Bundesbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Darüber hinaus scheint sich keiner der „Mehrheitsexperten“ die Mühe zu machen, die wesentlichen Risikofaktoren zu erforschen. Zum Beispiel deutet einiges darauf hin, dass es ein Kunstfehler sein könnte, bei Masern ohne echte Not das Fieber zu senken, weil dies das Risiko für schwere Verläufe und Dauerschäden, z. B. schleichende Gehirnentzündungen, deutlich erhöht. Die „Mehrheitsmediziner“ verzichten jedoch in der Regel auf ordentliche Differenzialdiagnosen und schieben Komplikationen bei Masernerkrankungen grundsätzlich dem Virus in die Schuhe. Das halte ich für unverantwortlich.
Böblinger Kreiszeitung: Was sagen Sie zu Vorwürfen, Sie und einige andere Impfkritiker verbreiteten Verschwörungsnarrative mit teils antisemitischen Bildern?
Hans U. P. Tolzin: Ich persönlich kenne keine in der Öffentlichkeit stehenden Impfkritiker mit abwertenden Äußerungen gegenüber anderen Ethnien. Und selbst wenn, würde ich mir dergleichen sicherlich nicht zu eigen machen. Allerdings stelle ich durchaus fest, dass bei Impfkritikern von den Mainstream-Medien jedes Wort und jede Geste auf die Goldwaage gelegt wird. Das finde ich bedauerlich, denn das lenkt von den Fakten ab, die von zentraler Bedeutung für eine informierte Einwilligung in eine Impfung sein können. Impfungen machen darüber hinaus bei ihren positiven oder negativen Wirkungen keinerlei ethnische Unterschiede. Mensch ist Mensch und laut Art. 1 Abs. 1 GG hat jeder (!) Mensch eine unantastbare Würde.
Böblinger Kreiszeitung: Wie stehen Sie zur Germanischen Neuen Medizin von RG Hamer?
Hans U. P. Tolzin: Die Neue Medizin nach Dr. Hamer richtet den Blick insbesondere auf mögliche psychosomatische Ursachen von Krankheiten. Die Psyche ist auch tatsächlich eine der fünf Hauptursachen von Krankheiten und sollte bei einer ausführlichen Anamnese und Ursachensuche selbstverständlich einbezogen werden. Ich halte es durchaus für möglich, dass es Patienten gibt, bei denen die von Hamer entdeckten Zusammenhänge zutreffen. Hamers Thesen beruhen auf seinen Beobachtungen aus der Praxis. Sich allein auf die Neue Medizin nach Hamer zu verlassen, würde ich allerdings für einen Fehler halten. Jeder Diagnose sollte eine ausführliche Anamnese vorausgehen.